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Das Fallenstellen

Als die Sonne schon hoch am Himmel stand, trafen wir wieder den Chef dieser Bande, der uns über unsere nächtlichen Erlebnisse ausfragte und uns dabei den Grund nannte, warum keine Schußwaffen in der Nacht eingesetzt wurden. Ab und zu, sagte er, fahren hier Patrouillenboote der brasilianischen Armee, und Schüsse seien sehr weit zu hören. Dadurch könnte das Lager und der Fang der Krokodile verraten werden, und dies sei ja zu verhindern. Nach dem Essen machte uns der Bandenchef ein besonderes Angebot. Sein zynisches Lächeln verhieß nichts Gutes. Wieder, diesmal in der Mittagssonne, machten wir uns mit dem Boot auf den Weg. Diesmal lagen in dem Boot Metallfallen, sogenannte Tellereisen, die in ihrer brutalen Wirkung an den Tieren wohl zu den gemeinsten Erfindungen des Menschen zählen. Nach etwa einer Stunde Fahrt legte das Boot an einem kleinen Steg an. Ein enger Urwaldpfad führte uns zu einigen gestellten Fallen, die jedoch leer waren. Noch tiefer führte uns der Pfad in den Urwald, der teilweise so verwuchert war, dass er mit einer Machete freigeschlagen werden musste. Plötzlich hörten wir ein jämmerliches Winseln und kamen an eine Falle, in der sich ein Affe gefangen hatte. Die Metallbügel hatten sich tief in den Fußknochen geschnitten. Wir mussten mitansehen, wie der in portugiesisch schreiende Mann den Affen mit dem Gewehrkolben erschlug. Dann öffnete er die Falle und band das Tier an seinen Gürtel. Unaufgefordert erklärte er uns, dass Affen gute Köder seien, um die begehrten Fleckkatzen zu fangen. Die Falle sei eigentlich für Jaguar und Ozelot gestellt worden, jedoch müsse man nehmen, was einem die Natur serviere, meinte der Bandenführer.

Nachdem wir weitere zwei Stunden im Dschungel umherirrten und uns der Schweiß in Strömen von der Stirn herunterlief, so dass unsere Kleidung patschnass war, hörten wir lautes Fauchen. Ohne Zweifel hing irgendwo in der Nähe wieder ein Tier in der Falle! Es dauerte etwa zehn Minuten, bis wir zum Ort der Untat vordringen konnten. Mit Entsetzen sahen wir den Ozelot, der mit einer Pfote in der Falle hing, deren gezackte Bügel bis in den Knochen eingedrungen waren. Die Falle war mit einer Kette und einem Drahtseil an einem Baum befestigt. Als das Tier uns wahrnahm, sprang es wie wahnsinnig in panischer Angst hin und her, um sich zu befreien. Am Boden entdeckten wir die Fangzähne des Raubtieres, die es sich an den Metallbügeln der Falle ausgebissen hatte. Das gepeinigte Tier fauchte uns an. Aus seiner Schnauze lief Blut. doch die Leidenszeit dieser geschundenen Kreatur war noch nicht zuende, denn jetzt prügelte der Fallensteller mit dem Gewehrkolben auf den Kopf des Tieres ein. Dabei brüllte er für uns unverständliche Worte. Wir waren fassungslos, wie hier mit Lebewesen, mit Mitgeschöpfen, umgegangen wird. Es fiel uns unwahrscheinlich schwer, bei unserer selbstauferlegten Zuschauerrolle zu bleiben. Am liebsten hätten wir in das Geschehen eingegriffen, aber dies hätte uns in große Gefahr gebracht, zudem hätten wir diesem armen Tier auch nicht mehr helfen können. Wie oft muss sich dieser brutale Vorgang auf dieser Welt wiederholen, um das "Rohmaterial" für Luxusprodukte für unsere Wohlstandsgesellschaft zu "gewinnen"?

Mit den Worten "Ist das nicht ein schönes Fell?" wurden wir aus unseren Gedanken herausgerissen. Und nun wurden wir Zeugen, wie dieser "Henker" dem inzwischen erschlagenen Tier das Fell im wahrsten Sinne des Wortes über die Ohren zog. Später entdeckten wir in anderen Fallen auch Vögel, die vermutlich versehentlich in die Eisen geraten waren, sowie Knochen und federn von Vögeln, die wohl Wildkatzen zum Opfer gefallen waren. Mit blutiger Beute erreichten wir nach Stunden wieder das Hauptcamp. Wir hatten nur einen Gedanken: so schnell wie möglich und ohne Verdacht zu erregen mit heiler Haut davonzukommen! Die Ausrede, auf dem Rückweg wieder vorbeizukommen, um dann die angebotenen Felle zu kaufen, wurde schließlich akzeptiert. Uns fiel ein Stein vom Herzen, als wir uns ein paar Kilometer von diesem Schreckensort entfernt endlich einen Schlafplatz suchen konnten.

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