Auch diesem Schwindel wollten wir auf den Grund gehen. Dazu reisten
wir nach Corumba, einem kleinen Städtchen inmitten des Sumpfgebietes,
unmittelbar an der Grenze zu Bolivien. In Corumba bot man uns Häute
und Felle in großen Mengen an. Man sagte uns ganz offen, dass der
Transport nach Europa völlig problemlos sei, vorausgesetzt, die
Bezahlung "stimmt". Auf welche Weise und von welchem Land aus, könnte
uns ja egal sein, sagte man uns in Corumba.
Auch bei einer Reise im Pantanal, wo wir mit einem Sheriff auf
einem Flussschiff tagelang durch die Sumpfgebiete fuhren, um eine
Kuhherde zu beschlagnahmen, sahen wir nachts häufig Wilderer bei
der "Arbeit". Uns fiel auf, dass kaum ein Kaiman am Flussrand
zu sehen war, obwohl wir uns schon etliche Tagesreisen von Corumba
entfernt hatten. Eine Lehrerin des Städtchens teilte uns mit,
dass vor wenigen Jahren noch eine Bootsstunde von Corumba entfernt
noch große Kaiman-Bestände anzutreffen waren. Diese seien aber infolge
der zunehmenden Wilderei nun fast völlig verschwunden. Auch erzählte
sie, dass erst vor einigen Tagen vier Polizisten von Wilderern ermordet
worden seien. Dies sei aber alltäglich, es käme sogar vor, dass
unbeteiligte Personen, die zufällig Wilderer bei ihren schmutzigen
Geschäften stören, skrupellos ermordet werden. Die ökologischen
Konsequenzen dieses Raubbaus an der Natur sind schon deutlich erkennbar,
mit all ihren verheerenden Folgen - auch für die Menschen. So
hat z.B. durch die Dezimierung der Kaimane die Piranha-Plage erheblich
zugenommen. Die Pirhanas dezimieren jetzt ihrerseits die wertvollen
Speisefische, die für die Ernährung der Flussindianer von großer
Bedeutung sind.
Ein
anderer Fall ist bekannt aus San Ramon, Bolivien, wo die Rattenplage
infolge der Ausrottung der Fleckkatzen derartig zunahm, dass ein
bisher unbekanntes Virus ausbrach, das etwa 60 Menschenleben forderte.
Durch das Ausscheiden von Harn und Fäkalien wird dieses Virus verbreitet,
das beim Menschen innere Blutungen verursacht. Man ließ deshalb
in die Gegend von San Ramon über 400 Hauskatzen einfliegen, um der
Rattenplage Herr zu werden. Bolivien hat im Jahr 1968 ein totales
Jagd- und Exportverbot für alle Fleckkatzenarten erlassen, das nicht
zuletzt deswegen immer wieder unterlaufen wird, weil die Importstaaten
durch laufende Neubestellungen und durch das Akzeptieren falscher
Papiere die illegalen Machenschaften begünstigen.
In der Hoffnung, die betrügerischen Zulieferer für den deutschen
Pelzmarkt ausfindig zu machen, machten wir uns auf den Weg von Corumba
nach Santa Cruz in Bolivien. Total erschöpft ereichten wir nach
abenteuerlicher Eisenbahnfahrt Santa Cruz, wo wir versuchten, Kontakt
mit dem dortigen Zoo-Direktor Professor Noel Kempff Mercado aufzunehmen,
von dem bekannt war, dass er seit Jahren die kriminelle Fell- und
Häute-Mafia bekämpft. Leider war er gerade zu diesem Zeitpunkt in
irgendeinem bolivianischen Dschungelgebiet, so dass wir ihn nicht
persönlich sprechen konnten. Wir verlegten daher unsere Recherche
nach La Paz in die Hauptstadt Boliviens. Schon am zweiten Tag gelang
es uns dort einen Termin mit dem ehemaligen CITES-Beamten Oscar
Llanque zu bekommen. Man zeigte uns einen Ordner mit angeblich gefälschten
ungültigen CITES-Dokumenten. Es gelang uns in vielen weiteren Treffen
mit Oscar Llanque, noch nähere Einzelheiten über die illegalen Exporte
herauszufinden.
Da diese Mafia im schwer zugänglichen Bergdschungel des Beni-Gebietes
und der Yungas vermutet wird, ließen wir uns erneut auf abenteuerliche
Fahrten ein. Mit einem Geländewagen fuhren wir auf halsbrecherischen,
in Fels gehauenen Bergstraßen, durchquerten Flüsse, und es kam öfter
vor, dass wir mit allen vier Rädern bis zu den Achsen in Schlammlöchern
steckenblieben. Es dauerte oft Stunden, bis wir den Wagen wieder
frei hatten oder von einem Geländefahrzeug, das zufällig vorbeifuhr,
freigeschleppt wurden. Da bereits der Zeitpunkt unserer Heimreise
immer näher kam, war es uns unmöglich, diese Fell-Mafia ausfindig
zu machen. Unser Plan war es nun, von Oscar Llanque Kopien der illegal
ausgestellten CITES-Bescheinigungen aus dem Ministerium zu bekommen.
Da diese Angelegenheit nicht offiziell werden sollte, waren wir
auf die Kooperationsbereitschaft des Beamten angewiesen. Es verlangte
einige Überredungskünste, bis wir wenige Stunden vor dem Abflug
die gewünschten Kopien in der Hand hielten. Nach diesen turbulenten
Wochen waren wir froh, als wir mit unserem Beweismaterial wohlbehalten
wieder in Frankfurt landeten.
Mit Hilfe von Professor Noel Kempff Mercado konnten wir später
beweisen, dass die CITES-Bescheinigungen illegal ausgestellt worden
waren. Teilweise waren die Bescheinigungen mit gefälschten Stempeln
und Unterschriften des Ministeriums versehen, blanko für 3000 US-Dollar
pro Stück in den Handel gebracht. Bald stellte sich auch heraus,
dass auch Oscar Llanque dabei Dreck am Stecken hatte.
Professor Noel Kempff Mercado forderte damals, 1986, die Bundesregierung
auf, den Handel mit diesen Problemarten wie Fleckkatzen, Kaimanen,
Reptilien etc. zu verbieten. Nur so können wir, wie er schrieb,
die Vernichtung der Wildtierarten in Südamerika verhindern.
Wenige Monate später wurde er in Bolivien erschossen. Über den
Tod von Noel Kempff Mercado gibt es viele Spekulationen. Fest steht,
dass er sich oft in der Öffentlichkeit gegen die Fell- und Häute-Mafia
eingesetzt und viele Morddrohungen erhalten hatte. Das Geschäft
mit den Luxusprodukten für die sogenannte zivilisierte Welt ist
in der Dritten Welt allemal zu einem gnadenlosen und mörderischen
Geschäft geworden.
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