Mein
Blick schweift in die Ferne. Täusche ich mich, oder ist da tatsächlich
die Staubwolke eines herankommenden Wagens zu sehen? Zum Glück, es
ist keine Täuschung. Die Rettung für unseren kleinen Elefanten naht.
Jetzt kann ich sogar die Aufschrift "David Sheldrick Wildlife Trust"
auf dem kleinen Lastwagen erkennen. Nach etwa 10 Minuten, die mir
wie eine Ewigkeit vorkommen, kann ich Daphne Sheldrick, der weltberühmten
Mutter von Elefanten- und Nashornwaisen, die Hand schütteln. Frau
Sheldrick ist inzwischen fast 60 Jahre. Vorsichtig nähert sie sich
dem kleinen Elefantenwaisen und streicht ihm liebevoll über den Kopf.
Obwohl sie solche Situationen schon oft erlebt hat, sehe ich eine
Träne über ihre Wange rollen. Sie hat sich jedoch sofort wieder in
der Gewalt und gibt Anweisung, den kleinen Elefanten vorsichtig auf
den Lastwagen zu heben. Ihre Blicke verraten mir, dass wir nicht mehr
viel Zeit zu verlieren haben.
15 Minuten später sind wir auf dem Weg
nach Nairobi. Daphne Sheldrick und ich haben auf der Ladefläche neben
dem kleinen Elefanten Platz genommen. Das einzige Lebenszeichen ist
sein kleiner Rüssel, der ab und zu wie suchend über die Holzbohlen
des kleinen Wagens tastet.
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| Die ElefantenMutter Daphne Sheldrick |
Die erste halbe Stunde verläuft stillschweigend. Dann bricht Daphne
Sheldrick das Schweigen, indem sie mir aus ihrem Leben erzählt.
Seit über 40 Jahren arbeitet Daphne Sheldrick nun schon mit Elefanten
und Nashörnern. Das Aufziehen von Jungelefanten, die das erste Jahr
noch nicht erreicht hatten, galt früher als unmöglich, da die Milch
von der sie während dieses ersten Jahres völlig abhängig sind, sich
sehr von der Milch anderen Tieren unterscheidet. Daphne Sheldrick
gelang es jedoch, nach vielen vergeblichen Versuchen, die Zusammensetzung
der Milch herauszufinden, die der Muttermilch am meisten ähnelte
und für die sehr empfindlichen Babyelefanten gut verträglich war.
Seitdem haben auch die "Kleinsten" eine Chance bei Verlust ihrer
Mütter zu überleben. Langsam lasse ich meine Hand über die Rüsselspitze
des kleinen Elefanten gleiten.
Was für ein Glück, dass es so Menschen wie Daphne Sheldrick gibt,
denke ich bei mir. Wir von der AgA und anderen Organisationen helfen
Daphne seit vielen Jahren, indem wir uns um Gelder bemühen, damit
überhaupt die Babystation und die spätere Auswilderung der Elefanten
bezahlt werden kann. Firmen, wie Symba-Toys, Deutsche Bank usw.
und die Vergabe von Teilpatenschaften bringen finanzielle Hilfe.
Über zehn Jahre müssen die Pfleger die Elefantenbabies rund um die
Uhr betreuen. Nach 2 Jahren werden sie langsam an das Leben im Tsavo-Ost-Nationalpark
gewöhnt, was durch regelmäßige Kontakte zu Wildelefanten in der
Nähe der kleinen Rancherkaserne beginnt. Während ich unseren kleinen
Patienten immer wieder den Rüssel mit Wasser befeuchte, streichelt
Daphne liebevoll den Kopf. Ich kann es kaum glauben, aber ich sehe
deutlich, dass Daphne einen Augenkontakt geschaffen hat, so, als
würde sie mit dem kleinen stumm sprechen. Ich habe in meinem Leben
selten eine Person getroffen, die so eine gewaltige positive Ausstrahlungskraft
ausübt, wie Lady Sheldrick.
"Sag mir Günther", unterbricht Lady Sheldrick das monotone Motorengeräusch.
"hat Deutschland inzwischen die Sondergenehmigungen für den Elfenbeinhandel
eingestellt und hält man sich jetzt dort an das internationale Handelsverbot?"
Ich schäme mich für die Regierung meines Landes und muss zugeben,
dass dies nicht der Fall ist. "Na ja", erwidert Daphne, "eure Regierung
wird wohl an diesem schmutzigen Geschäft nicht wenig mitverdienen.
Außerdem wart ihr jahrelang neben Japan, England und den USA Hauptabnehmer
für Elfenbein. Dies ist der Hauptgrund für den Elfenbeinkrieg hier
in unseren armen ostafrikanischen Ländern." Der Schweiß rollt uns
beiden in der Schwüle der Tropenluft von der Stirn und wir bangen
um das Leben des kleinen Elefanten. Nach mehrstündiger Fahrt erreichen
wir die Station von Daphne.
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